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Neuland 04/2008 - Niederrhein
Rudolf Kersting, 70, ehemaliger Landrat des Kreises Kleve
"Das Faszinierende an der Kommunalpolitik sind die großen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Menschen am Niederrhein darf man allerdings nicht mit Schnellschüssen überrumpeln. Sie sind bodenständig und traditionsgebunden, man muss ihnen lange und gut zuhören, alle Argumente genau abwägen dann lassen sie sich auch überzeugen.
Das habe ich schon in den sechziger Jahren als Referendar bei der Kreisverwaltung Kleve erlebt. Für den Bau von Hochwasserschutzdeichen mussten viele Bauern einen Teil ihres Landes abgeben. Der damalige Oberkreisdirektor hat den Landwirten in vielen Gesprächen klargemacht, dass sie nur so ihr Land ordentlich bewirtschaften können und zwischen dem Gutachten und dem ersten Spatenstich vergingen gerade mal zwei Jahre.
Offene Worte sind hier in der Gegend eben das A und O auch bei politischen Konflikten. Die werden zwar in der Sache hart ausgetragen, danach kann man aber auch wieder ein Bier zusammen trinken. Ich habe beispielsweise jahrelang gegen den aus meiner Sicht übertriebenen Naturschutz der früheren NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn gekämpft. Doch unser persönliches Verhältnis hat darunter nicht gelitten, wir haben uns respektiert."
